Mailboxen und Internet                                                     

Neue Vernetzungsmöglichkeiten für Frauen

Cornelia Brandt



Das Schlagwort von der "Informationsgesellschaft" oder gar von der "Informationsrevolution" hat die Runde gemacht. Befreit uns die neue informationelle Gesellschaft von langweiliger Arbeit und verbessert die Möglichkeiten demokratischer Partizipation durch Errichtung für alle zugänglicher Computernetze oder werden soziale Trennungen verschärft und neue Formen der Ungleichheit hervorgebracht? Zwischen diesen beiden Extremen findet die Diskussion über Mailboxen und Internet statt. Viele Frauen haben beschlossen, sich einzumischen und sich im Internet und in Frauenmailboxen untereinander zu vernetzen.

Die Zukunft hat schon begonnen

Im ehemaligen Jugoslawien wurden im Sommer 1991 die Telefonnetze in Zagreb und Belgrad gekappt. Frauen und Friedensaktivistinnen haben es ermöglicht, miteinander in Kontakt zu bleiben durch das Mittel der elektronischen Datenübertragung. E-Mail-Boxen wurden genutzt, um ins Ausland Informationen zu übermitteln und Kontakt zu Angehörigen aufzunehmen.

Ganz anders wird die Möglichkeit der Vernetzung z.B. in London genutzt. Das erste Cyber-Café der Welt hat in London seine Türen geöffnet. Eine Anzahl ähnlicher Einrichtungen ist in der ganzen Welt entstanden. Eva Pascoe vom Cyberia Café in London will zu einem erschwinglichen Preis öffentlichen Zugang zu der immer wichtigeren Welt der elektronischen On-Line-Kom-munikation bieten. Für nur 2,50 Pfund Sterling hat jede und jeder Zugang zum Internet und erhält Hilfe von Cyber-Hostessen. Cyberia will außerdem insbesondere für Frau- en, die gegenwärtig in der Sphäre der technischen Kommunikation deutlich unterrepräsentiert sind, einen Treffpunkt bilden.

Auch in Deutschland gibt es in vielen großen Städten Internet-Cafés, in denen bei einer Tasse Kaffee ein Schwatz (Chat) quer über den Atlantik möglich ist.

In Deutschland haben sich inzwischen zwei Mailbox-Netze für Frauen etabliert. Das Frauen-Mailboxnetz FEMNET und WOMAN vernetzen Mailboxen in vielen großen Städten untereinander. Mit dem Aufbau eines Frauen-Mailboxnetzwerkes soll Frauen die Teilnahme an dem weltweiten elektronischen Informations- und Kommunikationsaustausch erleichtert und ihr Zugang zu neuen Technologien gefördert werden.

Internet und World Wide Web (WWW)

Das Internet ist das weltweit größte Computernetz. Angeschlossen sind nach Schätzungen weltweit ca. 40 Millionen TeilnehmerInnen.

Beim WWW handelt es sich um einen von vielen Diensten des Internets. Das WWW bietet eine benutzerinnenfreundliche Oberfläche, die Zugang zu verschiedenen Diensten des Internets bietet. Das Besondere am WWW ist der sog. Hypertext, der graphisch hervorgehoben dargestellt wird. Durch Anklicken dieser "links" mit der Computermaus wird die Information, die dahinter liegt, dargestellt. Sogenannte "Suchmaschinen" erleichtern das Suchen im Internet unter bestimmten Stichworten.

WWW und E-mail bieten Möglichkeiten einer schnellen, aktuellen und kostengünstigen Kommunikation auf nationaler und internationaler Ebene, z.B. durch "Massensendungen" per e- mail, Zugriff auf Datenbanken und Diskussionszusammenhänge, sog. news-groups und erleichtern so die Organisation von Netzwerken. Damit weckt das WWW zunehmend das Interesse von Frauenprojekten und -initiativen, dieses neue Medium in ihrem Sinne zu nutzen, um sich schnell und kostengünstig untereinander zu vernetzen, gemeinsam zu diskutieren und sich über Aktionen untereinander zu unterrichten.

Ermutigende Nachrichten erreichen uns aus dem Mutterland des Internet: Laut einer im Internet verfügbaren Statistik (nähere Angaben bei der Autorin) gibt es in den USA 41,5 Mio. Erwachsene Internet / Online-BenutzerInnen, davon sind 24,2 Mio. Männer und 17,3 Mio. Frauen. In Prozentzahlen bedeutet dies: 21% aller US-ameri-kanischen Erwachsenen sind regelmäßig online. 27% aller Männer und 17% aller Frauen benutzen Online-Dienste. Je jünger die NutzerInnen sind, desto höher ist ihr Anteil, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bleiben im o.g. Verhältnis jedoch bestehen.

Eine aktuelle Umfrage bei ca. 16.000 deutschsprachigen NutzerInnen des WWW im November 1997 zeigt, daß sich der Anteil der Frauen seit Herbst 1995 von 6,2% auf 12,2 % fast verdoppelt hat. Frauen und Männer verfolgen im Internet zum Teil sehr unterschiedliche Nutzungsinteressen und -ziele

Wichtigste Forderung von Frauen ist, die Teilhabe aller an den neuen Medien zu gewährleisten. Da Frauen immer noch weniger verdienen, ist (nicht nur für sie) die Teilhabe an Internet und Mailboxen oft schwer finanzierbar. Ein direkter, kostenloser Zugang zu relevanten Informationen muß sichergestellt werden, z.B. in öffentlichen Bi-bliotheken, Kaufhäusern oder öffentlichen Internet-Cafés.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und der Datenschutz sind dabei unerläßliche Grundbedingungen.

Zum weiteren Informieren sind folgende Adressen zu empfehlen:

Die Arbeitsgruppe "Frauen in der Informationsgesellschaft" des forum info 2000 ist zu er reichen über http://www.forum-info2000.de.
Die Initiative Frauen geben Technik neue Impulse informiert über Projekte, Termine und Veröffentlichungen zum Thema Frauen und Technik bundesweit: http://lovelace.fh-bielefeld.de
Das Thema "Frauen im Netz" behandelt eine Studie des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V., zu bestellen über: rholdswort@europarl.eu.int